Leichtigkeit in Dur

 

Tilo Ettls Arbeiten sprühen vor Freude und Licht.

Sie zeigen eine irisierende Leichtigkeit, sind ausdrucksstark in Form und Farbe und ein Fest für Auge und Gefühl.

 

oberpfalznetz.de . AMBERGER ZEITUNG von Marielouise Scharf 02.04.2015

 

Erstaunlich viele Besucher hat Orkan Niklas in die Stadtgalerie Alte Feuerwache zur Eröffnung der Ausstellung von Tilo Ettl geweht. Hier herrschte am Dienstagabend eine ganz fantastische freundlich-friedliche Stimmung.

 

Ausgelöst wurde der Stimmungsumschwung von Moll nach Dur durch die Bilder und Skulpturen des Künstlers, sowie der groovenden Musik von "A Pocketful of Blues" mit der aus Nürnberg stammenden Bluesharmonica-Spielerin, Sängerin und Songwriterin Christine von Bieren alias "Chrissie The Cat" und Gitarrist Peter Pelzner.

 

Die Tonleiter seiner Farbpalette ist nuancenreich, die Stillleben strahlen Ruhe aus, die porträtierten Personen blicken freundlich, mit verhaltenem Lächeln aus dem Rahmen. Sie sind da und ziehen sich doch wieder zurück ("Die Sinnende"). Sie machen leise auf sich aufmerksam und fühlen sich in der besonderen Farbgebung wohl ("Sonnenhut" und "Morgenlicht").

 

Unglaublich perfekt

 

Ganz anders die großformatigen Stadt-Aquarelle - unglaublich perfekt und doch mit viel Interpretationsspielraum. Kräftige Akkorde setzt Ettl mit seinen Holz- und Granitskulpturen. Seine Figuren sind in Bewegung, gehen auf den Betrachter zu und nehmen ihn in ihrer sinnlichen Körperlichkeit für sich ein. Melodie und Harmonie von Bildern und Skulpturen sympathisieren im stimmigen Klang.

 

Verständliche Arbeiten

 

So sieht es auch Laudatorin Alena Mrowetz. Sie führte charmant und mit großer Natürlichkeit hin zum Künstler und seinem Werk. "Die Kunst ist ziemlich identisch mit dem Charakter des Künstlers", erläutert sie. Ettls Arbeiten seien verständlich, sie täuschen nichts vor und sind weit weg von modischen Trends. Er habe sich eigene Ausdrucksmittel angeeignet, will sie perfektionieren, sei jedoch nie völlig zufrieden.

 

Kurzen Einblick in seine Arbeit mit "Form contra Farbe" gewährte auch der sympathische Künstler selbst. "Betont man das eine, muss das andere zurückstecken. Das Pendel schlägt mal mehr zur einen, dann zur anderen Seite", sagt er. Sein Lebenspendel hat den gebürtigen Schwandorfer nach einem Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Regensburg, einem anschließenden Besuch der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, sowie einem einjährigen Studienaufenthalt in New York nach Tschechien geführt. Er machte mit vielen erfolgreichen Ausstellungen im In- und Ausland auf sich aufmerksam.

 

Den gebürtigen Schwandorfer Tilo Ettl hat es nach Studium und Auslandsaufenthalt nun ins tschechische Planà verschlagen. Seit 1992 lebt und arbeitet Tilo Ettl in Planá bei Marienbad. Deshalb bezeichnete Bürgermeister Martin Preuss den Künstler in seiner Begrüßungsrede auch als "Brückenbauer von Bayern nach Tschechien".

 

 

Denk-Bilder, die man nicht loswird

 

Ein moderner Anti-Modernist: Die beeindruckende Tilo-Ettl-Werkschau in der Schwandorfer Kebbel-Villa.

 

Kultur Artikel vom 31.05.2012 von Helmut Hein MZ

 

Schwandorf. Seit einigen Jahren schon zählt Tilo Ettl zu den faszinierendsten Malern der Region. Aber mit der großen Werkschau auf drei Stockwerken in der Kebbel-Villa hat der Künstler eine neue, zweifellose Qualität erreicht. Diese Porträts, Personen-Studien, Akte, Stillleben sind auf eine selbstverständliche Weise klassisch.

 

Tilo Ettl, der bekennende Anti-Modernist, hat erreicht, was er, in seiner unentwirrbaren Melange aus tiefstem Ernst, bösem Spott und listiger Ironie, von sich fordert: „Das Bild soll man sich ins Wohnzimmer hängen und sagen können: Das ist schön.“

 

Versteinerte Seelenlandschaften

 

Ettl provoziert auf paradoxe Weise. Weil er so demonstrativ, so „schreiend“ auf jede Provokation verzichtet. Weil er, scheinbar zumindest, „Harmonie und Schönheit“ will und sonst nichts. Oder doch, noch eins: „handwerkliche Meisterschaft, eine gewisse Qualität“. Weil er den Kunstbetrieb verachtet. Seinen Lärm und seinen Geschäftssinn. Weil er nichts wissen will von „Konzepten“ und von Politik. Weil er „Installationen“ verabscheut. Und weil er auch das, was die Moderne prägt, das Gewalttätige, die Wunde, die Verzweiflung, verdrängen, vergessen, verbannen möchte.

 

Ein Anti-Modernist? Einer, der seine Vorbilder bei den alten Meistern findet, der das nachrevolutionäre 19. Jahrhundert liebt, diese vergessene Perfektion im Abseits der Geschichte? Der nicht nachdenken will? Der den Tiefsinn scheut, von einem Reich des reinen Sehens, der puren Betrachtung träumt? So einfach ist es nicht. Wie ließe sich sonst erklären, dass der Sammler und Privatgelehrte, der Aktionismus-Aficionado und Brus-Experte Arnulf Meifert Tilo Ettls Bildern einen Aufsatz widmet, den er geradezu programmatisch „Bukolische Beschwörung“ nennt. Es geht dabei um die Arbeiten der Jahre 2007 bis 2010, um die sich einst die Galerie Dr. Erdel kümmerte und von denen einige jetzt auch im Oberpfälzer Künstlerhaus hängen. Als handelte es sich bei ihnen um Dokumente eines Wegs, der aber mit ihnen nicht zu Ende ist.

 

Meifert sah in diesen ländlichen Idyllen, die auf durchaus prekäre Weise von jungen Menschen in spielerischen und tänzerischen Posen bevölkert waren, nicht Abbilder einer verlorenen Realität, sondern „Konzepte“. Gleichsam ein Nachdenken mithilfe kräftiger Farben über das, was Malerei heute noch (sein) kann. In diesen Bildern Ettls wird das Vertrauteste fremd. Die Reinheit beginnt zu gespenstern. Das Spontane erscheint als Zitat und der authentische Ausdruck als Arte- bzw. Petrefakt: Seelenlandschaften, die einem versteinert entgegentreten.

 

Es handelt sich bei diesen bukolischen Beschwörungen um ideale Landschaften und ideale Figurationen. Alles Individuelle rutscht in den Archetyp. Jede Geste wird sofort zur Pose. Was von sich behauptet, es sei Wirklichkeit, verwandelt sich in ein Reich der Zeichen. Das Vergängliche ist bloß ein Gleichnis. Und jedes Ding ein Symbol, bei dem man nicht ohne Weiteres errät, wofür es steht. Die Ex-treme berühren sich in diesen Bildern. Der Maler, der nichts von Reflexion wissen will, produziert Denk-Bilder, die man nicht so rasch loswird; die sich in einem (in der Fantasie, in den verqueren Wünschen und Ängsten) einnisten und ihr Werk tun.

 

Und der neuere Ettl, der nach der bukolischen Beschwörung? Fasziniert und verstört durch Differenzierung und durch eine neue handwerkliche Meisterschaft. Rückt das autonome Bild der Moderne dadurch näher an eine „Wirklichkeit“, die doch nie so selbstverständlich, so immer schon entziffert ist, wie es dem naiven, „gläubigen“ Blick scheinen mag, wird es wieder zum Abbild? Auch, aber nicht nur. Und wenn es Abbild ist, dann auf eine äußerst souveräne Weise.

 

Erholung bei der Pastellkreide

 

Tilo Ettl erklärt, dass er genug hatte von der gewissermaßen Cezanne’schen Abstraktion, von all den Formen, aus denen man in der flüchtigen Vorstellung dann ein Gesicht, einen Körper, eine Bewegung bildet. Dass er jetzt Modelle brauchte, an denen sich alle Probleme der Wahrnehmung und Darstellung direkt erfahren und einer Lösung zuführen lassen. Die Resultate dieser Porträt-Studien sind verblüffend. So einleuchtend, auch so „real“ sind einem Menschen selten erschienen.

 

Das hat vielleicht damit zu tun, dass bei Ettl, auch wenn er dagegen protestieren mag, noch die konkreteste Anschauung durchtränkt ist mit Konzept und Abstraktion, Formen- und Farbenlehre. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, wie durchdacht, wie ausgewogen diese Bilder sind. Dass noch die präsenteste Figur oft nur Vorwand ist für einen bemerkenswerten, raren Form- und Farbwillen. Am Anfang steht die Idee. Dann öffnen sich die Augen. Und am Ende erst arbeitet der Pinsel, er muss das Konzept bewahrheiten. Und wenn etwas fehlt, dann ist es ein wenig Farbe, hier oder dort, ohne die das Bild stürzen, kippen würde oder auf eine fatale Weise dem Blick, der immer auch ein innerer Blick ist, nicht standhielte.

 

Es geht bei Ettls neueren Arbeiten immer um Figuren, Personen. Aber sie sind stets Teil eines Raums, eines Arrangements. Sie müssen sich fügen. Nur so bekommen sie die erforderliche Präsenz. Es sind meisterhafte Bilder. Auch die Akte, die er so scheu traktiert, über die er kaum sprechen möchte, sind meisterhaft. Und wenn er sich erholen möchte, dann greift der Maler zur Pastellkreide, die das Luftige, Leere, auch die Andeutung und Improvisation gut erträgt. Oder er bildhauert in seinem Atelier in der Nähe von Marienbad. Aber das ist schon eine andere Geschichte.

 

Ein Meister des bukolischen Realismus

 

„Italienische Reise“ – neue Arbeiten von Tilo Ettl in der Galerie Erdel

 

Kultur Artikel vom 08.09.2009 von Helmut Hein MZ

 

Tilo Ettl schätzt die alten Meister. Sie sind seine Zeitgenossen, Freunde und Ratgeber. Kunst kommt (für ihn) von Können. Er braucht Vorbilder, die wissen, wie „es“ geht, denen er die Regeln und Kniffe des Handwerks ablauschen kann.

 

Die laute Moderne verachtet er. Über einen Kunst-Szenen-Star wie Baselitz sagt er nur: „Das können meine Kinder besser.“ Wenn er – eher ein entschiedener Einzelgänger als ein Mitläufer – sich an den großen Stammtisch setzt und das gesunde Volksempfinden zitiert, verbindet sich die Lust an der Provokation mit inniger Ironie. Aber niemand sollte auf die Idee kommen, Tilo Ettl meine es nicht ernst. Mit Rimbauds Avantgarde-Leitspruch „Man muss absolut modern sein“, hat er nichts im Sinn. Und dessen Parole, es sei besser, an das schlechte Neue als an das gute Alte anzuknüpfen, die sich noch Brecht zu eigen machte, kommt ihm nur paradox und absurd vor.

 

„Wir, Puppen in Arkadien“

 

Tilo Ettl liest gerade Goethes „Italienische Reise“. Ihr entnimmt er Programm und Titel der aktuellen Ausstellung. Merkwürdigerweise belegen aber Künstler und Galerist ausgerechnet das leitmotivische Bekenntnis des großen Weimarer Flüchtlings, auch er sei jetzt („endlich!“) in Arkadien, mit einem entschiedenen Tabu. Führt denn die Arkadien-Fantasie ins Abseits, in die Irre? Der Doyen der Oberpfälzer Malerei, Karl Aichinger, der wie ein schwerer Engel mit silbernem Haar mitten in der Galerie thront, nennt Tilo Ettls Malerei mit einem feinen Lächeln „wild“, schlägt als Quintessenz eines Artikels über diese wie von weit her kommenden neuen Bilder „Wir, Puppen in Arkadien“ vor. Oder, ersatzweise, als er von dem Verbot erfährt, „bukolischer Realismus“.

 

Tilo Ettls innere Bilder sind schön, schöner noch als die seiner letzten Ausstellung bei Erdel. Sie irritieren und erregen. Die Figuration ist klar und doch fremdartig. Das hat damit zu tun, dass vieles – die Posen, die Gesten, die Farbgebung – Zitat ist: mythologische Malerei, die in den Spuren großer Vorgänger von der Renaissance bis ins späte 19. Jahrhundert (ver)läuft.

 

Bei jedem seiner Bilder stellt sich die Frage: Was stellt es dar? Worauf verweist es? Diese verlorenen Figuren, Paare, Ensembles, meist vor leerer, weiter Landschaft, manchmal auch vor alter Architektur, sind die Helden einer Szene, die merkwürdig verrückt scheint. Tilo Ettl errichtet eine Bühne für ein fremdes, betörendes Spiel.

 

Soll man tatsächlich nicht hinter die Phänomene schauen, wie sein großer Wegbegleiter ins arkadische Reich meint? Bei Tilo Ettls Arbeiten führt Goethes Anweisung in die Irre. Denn die verstörende Freundlichkeit, das Helle und Leuchtende dieser Bilder verdankt sich einem romantischen Impuls. Die Heimat ist nicht das Idyll, das wir vor Augen haben, sondern sein fernes Double, das man nicht mit entschiedenem Tritt und Wanderstock erreicht, sondern höchstens suchend, mit der Seele.

 

Tilo Ettls unheimliches Idyll

 

Bei Tilo Ettl ist alles „da“. Aber diese Präsenz ist prekär. Eine namenlose Sehnsucht versehrt sie; oder infiziert und öffnet sie zumindest. Bei Goethe war das, was wir sehen und bezeichnen können, nur ein „Gleichnis“. Bei Tilo Ettl wird das Idyll unheimlich, weil es immer noch eine andere Geschichte erzählt, die nicht zur Sprache kommen darf, die nur phantasmagorisch irrlichtert. Zeig mir deine Wunde!, hieß es einst bei Beuys. Auch bei Tilo Ettl wird das Körperhafte zum Symptom.

 

P.S. Wer bei Tilo Ettl nur das „Feine“ sehen will, der täuscht sich (über ihn; und das, was er zeigt). Es gibt immer auch das „Grobe“; etwa die groben Leinwände, die der Galerist beklagt; oder den groben Granit, dessen sperrige Struktur sich bei Ettls Bildhauerarbeiten der Form widersetzt. Die pure Materialität – der ästhetischen Medien, aber auch des Lebens – die nie vollständig wegzuarbeiten ist, bleibt stets Teil der Sprache der Kunst.

 

Maler der verschollenen Idyllen

 

Kunst Harte Arbeit vor dem Sonnensegel: Neue Bilder von Tilo Ettl bei Dr. Erdel.

 

Regensburg Artikel vom 12.12.2007 von Helmut Hein MZ

 

Regensburg. Durch die ganze Moderne geht ein Bruch – und Tilo Ettl verkörpert ihn wie kaum ein anderer. Er begann vor 20 Jahren als verstörter „enragé“, als ein im Innersten sanfter, suchender junger Mann, der sich gern die Aggressions- und Destruktions-Maske überzog. Er wollte der „bösen“ Welt den Spiegel vorhalten, trug viel Rouge auf seine Blessuren, damit sie schön leuchteten, baute grotesk-verstümmelte Maschinen aus Schrott, die bei jeder Bewegung schrägen Krach, verzerrt-unentzifferbare Stimmen der Qual von sich gaben und schrieb Pamphlete, vor denen die Kunst-Bürger erschrecken sollten. Das verlorene Paradies war bei den späten Nietzscheanern und „Sadisten“, den „Maldoror“-Adepten der damals für viel Aufsehen sorgenden Trash-Avantgarde-Gruppe „lyssa humana“ (menschliche Tollwut!) zum Reich der Psychosen und der permanenten Paranoia verklumpt.

 

Die Bereitschaft zum, ja „Kitsch“

 

Und jetzt das! In der Galerie Dr. Erdel steht würdig und soigniert der Künstler Tilo Ettl mit rotem Einstecktuch („das ist kultiviert!“) und wird besungen von dem einstigen Verwalter des Wiener Aktionismus-Erbes Arnulf Meifert, der offenbar auch genug hat von all den verzerrten und versehrten Leibern der Traditionslinie Bacon und Brus, von den dystopisch-wuchernden Mensch-Maschine-Metamorphosen und sich einfach über die schönen Bilder freut, die hinter ihm an der Wand hängen.

 

Auch diese Tilo-Ettl-Bilder sind verstörend – durch das demonstrativ (Alt-)Meisterliche dieser Malerei, durch das ungenierte Bekenntnis zur Arbeit an Farbe und Form, durch die blühenden Arrangements aus Frucht- und Landschafts-Accessoires und unschuldigsten Menschen, durch die Bereitschaft zum Idyll, ja zum „Kitsch“, was Meifert positiv, als Kompliment meint, gebe es doch „überhaupt keine Kunst ohne Kitsch-Anteil“. Prima vista will Tilo Ettl überhaupt nichts mehr von Destruktion und Dekonstruktion wissen, er verneint – was ein kleines Paradoxon ist! – die Negativität, er will, in der Weltabgeschiedenheit des von ihm selbst restaurierten Riesenhauses in der tschechischen Provinz, in der Gegenwelt seiner Ateliers und Werkstätten, nur noch schöpferisch sein, das, was er tut, bejahen, und sich um den Rest nicht kümmern. Aber wie der große Musik-Verrückte Karlheinz Stockhausen, von dessen Tod man in der Nacht nach der Vernissage erfährt, bewohnt auch Tilo Ettl nicht nur sein ästhetisches Reservat.

 

In die Geduld und Gelassenheit des Traditionalisten, der seine Vorbilder im Quattrocento findet und der ganzen Gegenwart und keineswegs nur ihrem leerlaufenden Kunstbetrieb abhanden gekommen ist, mischt sich die polemische Lust, die Verachtung für das, was die anderen sind und was er selbst einmal war. Von Nietzsches Diktum, dass, wer bereut, Verrat an sich übt, hat er noch nichts gehört oder will er nichts wissen. Die „Bohème“ ist für ihn nicht die harte Realität vieler Künstlerkollegen, sondern „Getue“. Über seine Bilder will er, Goethe im Kopf, der ihm auch an seinem Rückzugsort in Planá nahe Marienbad auf Schritt und Tritt begegnet, nicht sprechen und redet dann doch darüber, wenn auch nicht über deren Motiv-Zusammenhänge, ikonographischen Bezüge, ihren „Sinn“, sondern über das handwerkliche Entstehen dieser Natur- und Menschheits-Panoramen. Er will eine bestimmte Farbe – und er kauft nur die besten, die leuchtendsten! –, einen fernen Ton, einen Schatten und daraus entsteht die „Architektur“ einer Landschaft, einer Figur, einer Kleidung, eines Schuhwerks, eines Stilllebens. Die Farbe und das Licht entscheidet; so wie für den, der schreibt, die Musik in den Worten. Und daraus erst entsteht, sekundär, das „Idyll“, eine konkret gewordene innere Vision.

 

Kaum je war in den letzten Jahren in Regensburg eine Ausstellung zu sehen, die so betörend, so verstörend schön ist. Die Bilder halten dem Blick stand; sie vergehen nicht rasch unter ihm. Natürlich kann man Nachbarschaften entdecken, von der Romantik über den Surrealismus bis zur naiv-religiösen Kunst, natürlich kann einem Tilo Ettl wie ein Balthus erscheinen, dessen Begehren, wie auch immer, sediert ist, natürlich hat Meifert recht, wenn er en passant und leichthin von „Psyche ohne Amor“ spricht. Aber alle Assoziationen übersehen, dass Tilo Ettl die postmoderne „Referenzhölle“ fürchtet wie jeder rechte Kunstteufel das Weihwasser der kritischen Einordnung. Die Bilder sollen als Bilder, rein für sich, existieren, nicht als Repräsentation der Wirklichkeit, sondern als eine eigene Welt – die man, ließe sich hinzufügen, so zumindest noch nicht gesehen hat.